Ist jedes Kirchenbild stimmig?

 

Eine Anfrage von P.Robert Bösner OSB an die Teilnehmer beim „Österreichischen Pfarrerforum“, Bildungshaus St. Hippolyt, St. Pölten, 15. Oktober 2006

Unwillkürlich hätte ich gemeint, dass es manchem Teilnehmer aufgefallen wäre, dass im Referat des (sehr bekannten und angesehenen ) Professors für NT , Dr. Walter Kirchschläger, Zürich, ein einseitiges bzw. irrtümliches Kirchenbild transportiert wird.

Mein theologischer (!) Vorbehalt richtet sich gegen den dritten und vierten Absatz des Artikels „Verheutigung der Kirche“ in der St. Pöltner Kirchenzeitung Nr 42 vom 22. Okt. 2006 auf Seite 4 mit der Überschrift: „Kleine, ortsbezogene ‚Hauskirchen’ „.

Ich will jetzt weder den geschätzten Leser noch den verantwortlichen Chefredakteur der St. Pöltner Kirchenzeitung „Kirche bunt“ belehren, sondern nur meine Gedanken klar „zu Papier“ bringen.

Wenn sich ein Neutestamentler auf dogmatisches Gebiet (Ekklesiologie, die Lehre von der Kirche) begibt, muss er auch damit rechnen, dass er aus dogmatischen Sicht kommentiert wird.

Soweit mir in Erinnerung ist, wird in den jüngsten Lehrschreiben der Kirche „Dominus Jesus“ und über den theologischen Ausdruck „Schwesterkirchen“) darauf hingewiesen, dass die „Kirche – ,selbst wenn sie – wie Prof Zulehner sagt – in ihren Anfängen eine (Anm.: soziologisch gesehen) kleine ortsbezogene Einheit um ihr gemeinsames Christusbekenntnis (?) gewesen sei“, dennoch – trotz der Kleinheit ihres Erscheinungsbildes eine sakramentale Gegebenheit war, in der die ganze „eine, heilige, katholische und apostolische Kirch“ (vgl. Großes Credo) gegenwärtig ist.

Der Deutlichkeit halber ein Schriftzitat aus der Apostelgeschichte:

Als Folge der Pfingstpredigt des Apostels Petrus (Apg 2, 14-36) fragten die Menschen, was sie nun tun sollten. „Die nun, die sein (Anm.: dh. Petri) Wort annahmen (dh. „ jeder einzelne (!), der umkehrte und sich taufen ließ zur Vergebung der Sünden“; vgl.: v 38) ließen sich taufen“ 

„An diesem Tag wurden ihrer Gemeinschaft – (Anm.: gemeint ist die Gemeinschaft der Apostel und jener Jünger, die insgesamt 120 Menschen ausmachten, und von der vorher in Apg. 1,15-26 die Rede war) – etwa dreitausend Menschen hinzugefügt. Sie hielten an der Lehre der Apostel fest, und an der Gemeinschaft (Anm.: communio), am Brechen des Brotes und an den Gebeten.“ (vv.41;42).

Von allem Anfang an (sc. Pfingstfest) trat die Kirche, in der ersten ( dh. der jerusalemer (Ur-) Gemeinde nicht (!) als Freundeskreis (überschaubare Gruppe) in die Öffentlichkeit sondern als ein gemeinschaftlich-gesellschaftliches Gebilde mit öffentlichem Anspruch, wie es die Zahl dreitausend wohl symbolisiert und wie es gleicherweise die Zwölfzahl der Apostel bezeichnet (die Stammväter des neuen Gottes“volkes“).

Als Zeichen, dass das „Großgemeinschaftliche“ nicht irgendwie später in den Text „hinein“- interpretiert wurde, ist es gut, darauf zu achten, dass zur Vorbereitung auf das Kommen des Hl. Geistes (!) die „Nach“-Wahl eines zwölften Apostels unter der Leitung des Apostels Petrus durchgeführt wurde. Dabei wurden zwei Kandidaten aufgestellt, die geeignet und bereit waren – anstelle des abgefallenen Judas – die Zwölfzahl des Apostelkreises aufzufüllen, weil dahinter eine bestimmte Sicht des „Zwölferkreises“ als der zwölf Stammväter des neuen Gottesvolkes steht. (vgl. die zwölf Söhne des Jakob, die die Stammväter des alten Gottesvolkes waren). (Apg 1,15-26; besonders v.21 Ende und v. 26 b).

Soweit eine kurze Darlegung des ekklesiologischen Vorbehaltes gegenüber der wohl programmatischen Ansprache von Prof. Dr. Kirchschläger vor der „Pfarrerinitiative“ am 15 Oktober 2006 im Bildungshaus der Diözese St. Pölten , aus der die Gründungsmitglieder der „Pfarrerinitiative“ sehr leicht falsche Schlüsse ziehen können. (vgl. den Vorschlag der „Initiative“ , Kleingemeinden (wie ehemals bei den josephinischen Pfarren) mit ca. 800 Gemeindegliedern zu bilden, aber (!) mit neuen Zulassungskriterien für die Bestellung von „Seelsorgern-innen“. Ich bin mir nicht sicher, ob die Proponenten daran denken, ob sie die , die „schnell“ geweiht werden sollen, zur Gemeinschaft der Apostel hinzugefügt wissen wollen, oder ob sie – folgerichtig gesprochen – eine „Nebenbei“- Kirche bilden wollen. Momentan schaut es so aus, als ob sie sich „nur“ um ein – wenn auch noch so schönes – „Christusbekenntnis versammeln“.

PS: Auch wenn der Verfasser dieses Kommentars ein Wallfahrtspfarrer ist und keinen ordentlichen und öffentlichen Lehrauftrag für NT hat, so erlaubt er sich dennoch – gestützt auf die Heilige Schrift und die Lehre der Kirche – Herrn Prof. Dr. Kirchschläger, einen o.ö. Professor für das Neue Testament in der Schweiz, zu einem Disput einzuladen.

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